2005 Augsburger Allgemeine, 23.11.2005

Jung und Alt Spaß am Lernen vermitteln

Kleine Lernbörse Prof. Otmar Marti und Markus Marquard

Von unserem Mitarbeiter Bernd Otto Kuntze

Ulm

Mehr denn je wird deutlich, dass in unserer Wissensgesellschaft, in der sich das Wissen von Jahr zu Jahr immens vergrößert, Alt von Jung, aber auch Jung von Alt lernen können. Genau diesen Ansatz nimmt das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWIW) der Universität Ulm zum Anlass, das Projekt KOJALA ins Lebens zu rufen. Das Kunstwort steht für "Kompetenzbörse für Jung und Alt im Lern- Austausch". Der Start für das Pilotprojekt war am Montagabend im Stadthaus und mehr als 200 Interessierte kamen.

Worum es genau geht, machte der bekannte Ulmer Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer für Neurowissenschaften und Lernen mit seinem Vortrag "Jung und Alt - miteinander/voneinander lernen" deutlich. Er war mit seinem "Impulsvortrag" wohl auch verantwortlich für das große Interesse. Spitzer wies darauf hin, dass vor der Erfindung der Schrift vor rund 5 000 Jahre Wissen stets von Alt zu Jung weitergegeben wurde, während die Jugend für neue Ideen und Impulse sorgte. Ähnlich funktioniere das auch heute noch an Universitäten. Auch in den immer seltener werdenden Großfamilien sei es häufig so. Unter diesem Aspekt sei das Lernen in "Familien" effektiver. Insgesamt schlummere in den verschiedenen Generationen ein Wissenspotenzial, das es zum Vorteil aller zu nutzen gelte.

Kleine Messe

Und genau das soll jetzt geweckt werden. Das geschah unter anderem mit der "Kleinen Lernmesse", die der Veranstaltung vorgeschaltet war. Hier zeigten verschiedene Organisationen, zum Beispiel das Bürgerbüro ZEBRA, wie sie helfen können oder wo sie Hilfe brauchen und wie sich Interessierte einklinken können. Mit dem Projekt "KOJALA" wird nun auch das Internet eine wichtige Rolle spielen. Unter der Adresse www.kojala.de sollen gemeinsame Interessen gefunden und gebündelt werden.

Dass dies möglich ist, weiß Markus Marquard vom ZAWIW-Team. Denn schon seit zwei Jahren wurden nach seinen Worten "Vorerfahrungen" zum Beispiel an Schulen und mit anderen Projekten gesammelt. So profitierten Hauptschüler von den Tipps älterer Menschen bei Bewerbungen aufgrund der Berufs- und Lebenserfahrung der "Mentoren". Auch im Geschichtsunterricht war es von Nutzen, dass Menschen mit historischem Wissen eingeschaltet waren. In einem Fall half eine ehemalige Englischlehrerin sogar einer in diesem Fach schwachen 13- Jährigen.

Auch anders herum funktioniert der Austausch. Denn die Jungen wissen mehr über moderne Technik, sei es der Umgang mit Handys, Fernbedienungen oder Computern und Druckern. Und wenn nicht immer der persönliche Kontakt möglich ist, hilft das Internet. "Da ist zum Beispiel die Zeitzeugen-Arbeit", weiß Markus Marquard. "Da kommen auf dieser Ebene Texte und Erinnerungen zusammen, die sich dann vielleicht sogar in einem Büchlein oder einer Broschüre niederschlagen."

Insgesamt zeigt sich der ZAWIW-Mitarbeiter optimistisch, dass sich in den nächsten Monaten einiges entwickeln wird, das von vielen getragen aber auch vielen nutzen wird. Sei es als greifbares Ergebnis oder als das Gefühl, noch gebraucht zu werden.

"Intergenerationell"

Dass dieses "intergenerationelle Lernnetzwerk", so die ZWAWIW- Wortschöpfung, ein Erfolg wird, hängt letztlich von den Finanzen ab. Schon jetzt wird das Projekt von der Ulmer Bürger Stiftung, des ZAWIW- Förderkreises, der Bildungsoffensive der Stadt Ulm und der Jugendstiftung des Landes Baden-Württemberg gefördert. Zusätzliche Sponsoren würden das ZAWIW freuen.

Die Lernbörse ist im Internet unter www.kojala.de zu erreichen, das ZAWIW-Team unter Tel. (0731) 502 31 94, Fax (0731) 502 31 97, E-Mail info@kojala.de.

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